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Was die Aktienkurse wirklich bewegt
Publicado em 23/03/2009 às 15h55
Die Daten aus Wirtschaft und Unternehmen sind schlechter denn je. Trotzdem legen die Aktienkurse zu. Sie spiegeln die positiven Erwartungen an die Zukunft wider -- sagt die Theorie. Oder liegen die Gründe am Ende doch ganz woanders? Die "Welt am Sonntag" erklärt, wie die Börsenwelt funktioniert.



Horrormeldungen. Die deutsche Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um vier bis fünf Prozent schrumpfen, manche prognostizieren sogar noch mehr. Der Export ist eingebrochen, viele Bänder in den Fabriken stehen still, Unternehmen schicken die Belegschaft in Kurzarbeit. Doch in den vergangenen zehn Tagen sind die Aktienkurse um zehn Prozent gestiegen. Spinnen die Börsen?



Wer an der Börse aktiv werden will, wer Aktien kaufen und verkaufen möchte, sollte sich der grundlegenden Mechanismen bewusst sein, nach denen dieser Markt funktioniert. Die Kurse entwickeln sich nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern nach ganz klaren Kriterien. Manchmal sind Ursache und Wirkung offensichtlich, mitunter muss man etwas tiefer blicken, um die Bewegungen zu verstehen. Und hin und wieder stellt sich die Frage, ob die Gründe für das Auf und Ab nicht doch ganz woanders liegen.



"Die Talfahrt an den Aktienmärkten hat den dramatischen Konjunktureinbruch, der sich in den jüngsten realwirtschaftlichen Daten widerspiegelt, bereits vorweggenommen", erklärt Markus Reinwand, Aktienstratege der Landesbank Hessen-Thüringen, die jüngsten Kursbewegungen. Seit den Höchstständen von 2007 hatten die Indizes schon über 50 Prozent verloren. Aktienkäufer und -verkäufer hatten also damit gerechnet, was jetzt offensichtlich wird. Die Daten sind für sie somit nichts Neues mehr, sie haben diese Informationen längst verarbeitet. Sie sind in den Kursen "eingepreist".



Üblicherweise geht man davon aus, dass die Aktienmärkte etwa sechs Monate nach vorn blicken. Die Kurse geben daher nicht die aktuelle Lage der Wirtschaft wieder, sondern die Lage, wie sie von den Marktteilnehmern in einem halben Jahr erwartet wird. Erwarten die Börsianer, dass die Konjunktur im Verlauf des Herbstes allmählich wieder zum Besseren dreht, dann steigen die Kurse jetzt. Offenbar ist dies der Fall, weshalb der Dax zuletzt rund zehn Prozent zulegte.



Was für einen Index gilt, gilt auch für einzelne Unternehmen. Ihr jeweiliger Kurs spiegelt die Erwartungen für ihren künftigen Gewinn wider. Und diese Erwartungen können sich manchmal über Nacht verändern. So lag die Aktie der Deutschen Bank noch vor zwei Wochen bei rund 18 Euro. Das Institut hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro eingefahren.



Die Börsianer sahen schwarz für die Zukunft. Doch dann erklärte die Citigroup -- einst größte Bank der Welt, inzwischen teilverstaatlicht --, dass die ersten zwei Monate dieses Jahres gut gelaufen seien. Ähnlich positiv äußerten sich die Bank of America und JPMorgan. Und obwohl die Deutsche Bank nichts sagte, schlossen nun viele Anleger: Wenn drei große amerikanische Banken im Januar und Februar Gewinn gemacht haben, dann muss dies für die Deutsche Bank ebenso gelten. Dann ist das Institut aber deutlich mehr wert. In der Folge stieg der Kurs binnen wenigen Tagen auf zeitweise über 30 Euro.



Derart riesige Kurssprünge sind bei großen Unternehmen eher selten. Sie sind jedoch mit der besonderen Situation der Banken zu erklären. Ihre Zukunft steht derzeit auf des Messers Schneide, sie liegt irgendwo zwischen dem Negativszenario Verstaatlichung und der Rückkehr zu alter Stärke. Würde die Bank verstaatlicht, wären die Anteilscheine wertlos. Schafft sie es, ohne Hilfe wieder auf die Beine zu kommen, dann wären sie auch wieder so viel wert wie früher. Vor zwei Wochen hielt die Mehrheit der Investoren die Aussicht auf eine Verstaatlichung für wahrscheinlicher. Über Nacht wechselten dann jedoch Scharen von Anlegern ihre Meinung - daher die Kursexplosion.



Doch ist das wirklich der einzige Grund? Oder ist die Erklärung vielleicht doch eine ganz andere? Immerhin hatte Deutsche-Bank-Chef Ackermann doch schon vor vier Wochen angedeutet, dass das Geschäft inzwischen wieder recht gut läuft. Und auch von amerikanischen Banken gab es damals schon Hinweis auf eine Wende. Wieso führte das damals nicht zu einer Kursexplosion wie jetzt?



In der Tat reagieren die Börsen in zwei Situationen oft völlig unterschiedlich, obwohl die Informationen, die die Anleger erhalten, praktisch gleich sind. An einem Tag steigen die Arbeitslosenzahlen in den USA stärker als erwartet, und der Markt reagiert panisch. Beim nächsten Mal wächst die Arbeitslosenzahl ebenfalls stärker als erwartet, aber die Kurse steigen dennoch.



Negative und positive Nachrichten werden in unterschiedlichen Marktphasen unterschiedlich stark wahrgenommen. Manchmal überwiegt Optimismus, dann werden schlechte Neuigkeiten einfach weggesteckt. Ein andermal dagegen überwiegt Pessimismus, dann helfen auch keine Lichtblicke mehr. Daher sagt eine Information an sich nichts darüber aus, wie der Markt darauf reagieren wird. Es hängt letztlich davon ab, wie die allgemeine Stimmung ist.



Einige Investoren glauben überhaupt nicht mehr an den Einfluss von Nachrichten auf die Kursbewegungen. Für sie ist letztlich nur eine Tatsache entscheidend dafür, ob die Kurse steigen oder sinken: die Liquidität, also das Geld, das Investoren zur Verfügung steht. Und tatsächlich: Die Cashquote vieler Fonds, aber auch vieler Privatinvestoren war zuletzt extrem hoch. Sie horteten viel Geld auf dem Sparbuch oder in anderen extrem schlecht verzinsten Anlagen. Und genau in diesem Moment drehte der Aktienmarkt. Zufall?



Andererseits mussten Hedgefonds zuletzt Anlagen zwangsweise verkaufen, weil die Banken ihre Kreditlinien kürzten, da diese ihrerseits unter Geldmangel litten. Auf diese Weise könnte also die Geldknappheit die Kursstürze verursacht haben. Die schlechten Nachrichten wären dann nur das Beiwerk gewesen, das eine scheinbare Begründung dazu liefert. Ebenso wären die besseren Aussichten für die Bankengewinne nur eine vorgeschobene Nachricht, um die Kurssprünge irgendwie zu deuten. Dies würde auch erklären, warum gute Nachrichten manchmal Kurse steigen lassen und manchmal nicht: Es hinge schlicht davon ab, ob Anleger gerade Geld zum Investieren übrig haben oder nicht.



Wahrscheinlich liegt in beiden Theorien ein Stück Wahrheit. Denn geht es wirtschaftlich schlechter, so haben die Anleger meist auch weniger Geld zur Verfügung. Erholt sich die Wirtschaft dagegen, dann sind die Investoren auch meist liquider. Daher dürften sowohl wirtschaftliche Nachrichten und Unternehmensinformationen als auch die Liquidität der Anleger das Auf und Ab der Kurse beeinflussen. Welcher Faktor gerade überwiegt, das ist jeweils die große Frage.
Frank Stocker
Fonte: Welt Online
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